Als
Wirbelsturm werden nur solche tropischen Stürme bezeichnet, die mindestens
eine Windgeschwindigkeit von 120 km/h erreichen (Dabei beträgt die
Zuggeschwindigkeit jedoch nur etwa 10-30 km/h ! ). Je nach Region werden
Wirbelstürme unterschiedlich genannt: Im Atlantik und im östlichen Pazifik
heißen sie Hurrikan, im westlichen Pazifik Taifun und im
Indischen Ozean Zyklon. Große tropische Wirbelstürme erhalten oft
Namen, so wie dies bei uns auch mit Hoch- und Tiefdruckgebieten üblich ist.
Aufbau und Entstehung eines tropischen Wirbelsturmes: Tropische
Wirbelstürme entstehen nur über dem Meer, wobei die über dem Wasser erwärmte
Luft nach oben steigt. Voraussetzung dafür sind warme Ozeane mit einer
Wassertemperatur von mindestens 27 °C. Nur bei hohem Sonnenstand im Sommer
kann sich das Wasser stark genug aufheizen, um einen Wirbelsturm zu bilden.
Durch die Coriolis-Kraft, die durch die ständige Drehung der Erde entsteht,
steigt der Wasserdampf spiralförmig auf. Dieser Dampf trifft in größerer
Höhe auf kalte Luft und kondensiert dadurch zu Wolken. Im Laufe dieses
Prozesses entstehen gewaltige Gewitterwolken. In der Mitte des Wirbelsturms
entsteht (ebenfalls durch die Drehung) ein so genanntes “Auge”, das einen
Durchmesser von etwa 10-30 km haben kann und in dem meist Windstille bei
wolkenlosem Himmel herrscht. Für
die Stärke des Windes im Wirbelsturm sind zwei Faktoren Ausschlag gebend:
zum einen der Durchmesser des Auges selbst und zum anderen die Differenz des
Luftdrucks zwischen Auge und seiner Umgebung. Je kleiner das Auge und je
größer die Differenz im Luftdruck, desto höher die Windstärke.
Saffir-Simpson Wirbelsturmtabelle
Stärke
Bezeichnung
mittlere
Geschwindigkeit
in km/h
mittlere
Geschwindigkeit
in Knoten
1
schwach
118 - 153 km/h
64 - 83 kn
2
mäßig
154 - 177 km/h
84 - 96 kn
3
stark
178 - 209 km/h
97 - 113 kn
4
sehr stark
210 - 249 km/h
114 - 134 kn
5
verwüstend
über 250 km/h
über 135 kn
Die Windstärkentabelle von Beaufort endet bei 63 Knoten und 12 Windstärken.
Viele
Wirbelstürme bringen außer dem starken Sturm auch sintflutartigen Regen mit
und können Sturmfluten von bis zu 6 Metern Höhe auslösen. Treffen sie jedoch
auf Land, verlieren sie allmählich ihre Energie, denn:
1. fehlt ihnen der Nachschub von feuchtwarmer Luft über dem Meer und 2.
bremst die Oberflächenreibung über dem Land die Windgeschwindigkeit
allmählich ab. Trotzdem hat mancher karibische Wirbelsturm soviel Energie,
dass sein Ausläufer in sehr abgeschwächter Form (als Sturmtief) sogar noch
Westeuropa erreicht. Alle Versuche, Hurrikane zu vernichten, bevor sie mit
ihrer zerstörerischen Kraft auf Land treffen, indem man z. B. künstlich die
enthaltenen Regenmassen vorzeitig zum Abregnen bringt, waren bislang
vergeblich. Es bleibt nach wie vor nur die Vorwarnung und Vorhersage der
ungefähren Zugrichtung eines Wirbelsturms, die jedoch sehr schwierig
einzuschätzen ist.
Übersicht der von Wirbelstürmen betroffenen Gebiete:
Die
Entstehung von tropischen Wirbelstürmen ist nur in bestimmten Regionen und
Jahreszeiten auf der Welt möglich. In Äquatornähe ist (trotz ausreichender
Wassertemperatur) die Entstehung von tropischen Wirbelstürmen nicht möglich,
da dort die Coriolis-Kraft zu gering ist, um eine Wolkenspirale zu bilden.
Nr.
Gebiet
Saison
Hauptzeit
Häufigkeit
pro Jahr
1
Karibik
Mai - November
September
5
2
Nordostpazifik
Juni - Oktober
September
5
3
Nordwestpazifik
ganzjährig
Juli -
September
25
4
Südpazifik
November -
Juni
Januar - März
5
5
Golf von
Bengalen
April -
Dezember
Mai, Oktober,
November
5
6
Arabische See
März -
Dezember
Mai - Juni,
Oktober, November
4
7
Südlicher
Indischer Ocean
Oktober - Mai
Dezember -
März
6
Diese
Tabelle stützt sich auf Durchschnittswerte der letzten Jahrzehnte,
Abweichungen von 50% in einem Jahr nach oben oder unten sind möglich.
Tornados - die “kleinen Verwandten” Im
Unterschied zu tropischen Wirbelstürmen mit ihren riesigen Ausmaßen sind
Tornados sehr kleine, lokale Erscheinungen mit wenigen Metern Durchmesser,
die auch nur wenige Minuten andauern. Daraus jedoch auf relative
Harmlosigkeit zu schließen, wäre ein fataler Irrtum: Tornados können extrem
zerstörerisch sein! Sie haben Windgeschwindigkeiten von 180-800 km/h im
Gepäck und können einen Streifen der Verwüstung hinterlassen, der zwar nur
wenige 100 Meter breit aber bis zu 160 km lang ist.
Tornados entstehen in den mittleren Breiten (insbesondere der USA) durch das
Aufeinandertreffen von kalter (Polar-) Luft und feuchtwarmer, subtropischer
Luftmassen. Auch hier entstehen Gewitterwolken, die durch die Coriolis-Kraft
in spiralförmige Bewegung versetzt werden. Innerhalb dieser Wolkenspirale
entsteht ein zweiter Wirbel - der eigentlich zerstörerische Teil. Er rotiert
wesentlich schneller und kräftiger als der äußere und reicht bis zum Boden.
Tornados können manchmal von weiteren, kleineren Mini-Tornados begleitet
werden - diese haben noch höhere Windgeschwindigkeiten und nur ein paar
Meter Durchmesser.
Zu den Verwandten der Tornados gehören auch Windhosen (sie enthalten Staub
und Sand) sowie Wasserhosen über dem Meer. Beides sind kleinere
Luftverwirbelungen, die zwar Staub oder Wasser mit sich reißen, jedoch nicht
die Kraft haben, größere Verwüstungen anzurichten.
Trotzdem
sei an dieser Stelle eindringlich vor der größten Gefahr gewarnt, die von
Wasserhosen ausgeht: dem Ersticken. Die Luft innerhalb einer Wasserhose ist
so mit Wasser gesättigt, dass derjenige, der hineingerät, keine
Überlebenschance hat!
Wirbelsturm-Warnung - was tun?
Die
nachfolgenden Zeilen können selbstverständlich nur ein paar Tipps ohne
Übernahme jeglicher Gewährleistung sein. Aber: Ein Wirbelsturm im Anzug
bedeutet nicht automatisch das AUS für jeden Segler.
Instinktiv wird wohl jeder Skipper bei einer ausgegebenen Wirbelsturmwarnung
versuchen, sich in einem sogenannten “Hurrican Hole” zu verschanzen. Doch
die Vergangenheit hat gezeigt, dass ein solch vermeintlich sicherer Platz
zur verheerenden Falle werden kann. Eine gerammelt volle Riesenbucht mit ein
paar hundert Schiffen hat bei slippenden Ankern bestenfalls Platz für Panik.
Um am Ankerplatz bleiben zu können, müssen daher folgende Voraussetzungen
erfüllt werden:
1. Es dürfen keine Sturmseen vom offenen Meer in die Bucht laufen können.
2. Die Bucht muss möglichst klein sein, damit sich in ihr kein Seegang
aufbauen kann.
Der
beste Platz ist in kleinen Seitenarmen, in denen man heckwärts möglichst nah
am Land festmacht. Dabei vertäut man so viele Leinen wie möglich an
unterschiedlichen Stellen an Land und bringt in die Gegenrichtung
sternförmig alle verfügbaren Anker aus. Zu bedenken ist dabei, dass beim
Durchzug des Wirbelsturmes der
Wind
um 180° dreht.
Sollte eine solche Stelle nicht zur Verfügung stehen oder bereits besetzt
sein, sucht man sich eine Ausbuchtung, die für eine unfreiwillige Landung
der Yacht am Ufer am ehesten geeignet scheint und die von anderen Yachten
voraussichtlich verschont bleiben wird. Dort bringt man eine möglichst
starke Leinenverbindung zum Land und in die Gegenrichtung sternförmig alle
verfügbaren Anker aus.
Sollten diese Bedingungen nicht erfüllbar sein, ist es ratsamer, frühzeitig
die Flucht über die offene See anzutreten und zu versuchen, aus der
Zugrichtung des Wirbelsturms zu segeln. Dabei ist es unerlässlich, zu
wissen, in welchem Quadranten des Wirbelsturmes man sich befindet. Auf der
Nordhalbkugel der Erde drehen sich Wirbelstürme gegen den Uhrzeigersinn, auf
der Südhalbkugel im Uhrzeigersinn. D. h.: Auf der Nordhalbkugel ist der
gefährliche Halbkreis der nördliche Halbkreis eines Wirbelsturms, auf der
Südhalbkugel der südliche. Er wird gefährlicher Halbkreis genannt wegen der
Winde, die ein dort befindliches Schiff ins Zentrum hinein wehen und wegen
der sich addierenden Windgeschwindigkeiten.
Am
Beispiel erklärt: Bei einer angenommenen Zuggeschwindigkeit
(= Vorwärtsbewegung) von 15 Knoten und einer Windgeschwindkeit von 85 Knoten
im Wirbelsturm herrschen im gefährlichen Halbkreis 85 kn + 15 kn = 100 kn
Wind, im schiffbaren Halbkreis jedoch “nur”
85 kn - 15 kn = 70 kn Wind.
Ein Aus-der-Zugrichtung-Segeln sollte daher immer in Richtung Äquator
erfolgen. Dabei ist das Abwettern eines Wirbelsturmes bei achterlichen
Winden im schiffbaren Halbkreis sicherlich kein Honigschlecken - verglichen
mit dem Kampf gegen Gegenwinde und Kreuzseen (aus vorauslaufender Dünung des
Wirbelsturms und gegenlaufender Sturmseen) im gefährlichen Halbkreis jedoch
die einzig machbare Variante. Eine Flucht sollte daher auch so früh wie
möglich angetreten werden. Da sich Wirbelstürme vergleichsweise langsam
vorwärts bewegen, hat man normalerweise von der ausgegebenen Warnung bis zum
Eintreffen des Wirbelsturms mehrere Tage Zeit, um sich in Sicherheit zu
bringen. Dabei müssen mindestens 100 sm Abstand zum Zentrum des Wirbelsturms
geschaffen werden.